Regine Heithecker

Als ehemaliges Mitglied des Heeressportverbandes, Sektion Reiten, der in der Freudenau in denselben ehrwürdigen Stallungen wie später der von Sabine Steinbach gegründete Reitverein „Junge Reiter Elite“ etabliert war, traute ich mich 2003 nach dreiundzwanzig Jahren Reitabstinenz im zarten Alter von immerhin sechzig Lenzen wieder auf ein Pferd.

Es ging mehr schlecht als recht. Aber Dank des unermüdlichen Einsatzes von Sabine Steinbach, die mir geduldig, aber auch mit dem notwendigen Nachdruck, die Grundbegriffe der Reitkunst wieder näher brachte, machte ich ganz gute Fortschritte.

Nach zehn Unterrichtsstunden an der Longe und zaghaften Versuchen beim freien Reiten in der Halle und draußen sowie auf der Galopp-Bahn gewann ich meine alte Sicherheit beinahe zurück.

Die braven Schulpferde Skyline, Indurain und Tomba trugen mich zuverlässig durch alle Schwierigkeiten.

Bereits als Kind entdeckte ich meine Leidenschaft für Pferde und verlebte in den 19Fünfzigerjahren nach eine glückliche Reiterjugend.

Als Fortgeschrittene nahm ich an kleinen ländlichen Turnieren teil, die meinem bescheidenen Können angemessen waren. Noch stolzer machte mich aber die Tatsache, dass ich bei den jährlich stattfindenden großen internationalen Bewerben im heimatlichen Ostwestfalen-Lippe auf der Teilnehmer-Tribüne neben damaligen Weltklasse-Reitern wie Fritz Tiedemann, Hans-Günther Winkler, Alwin Schockemöhle und Rainer Klimke sitzen durfte.

Wenn man großes Glück hatte, durfte man deren Pferde sogar trocken reiten !

Das war damals wirklich noch möglich.

Meinen schönsten Sommer mit Pferden verbrachte ich auf Baltrum, der kleinsten deutschen Nordseeinsel.

Gemeinsam mit einer ebenfalls pferdenarrischen Freundin, die geprüfte Reitlehrerin war, durfte ich im Insel-Reitstall mitarbeiten.

Täglich saßen wir bei jedem Wetter sechs und mehr Stunden im Sattel.

Egal, ob bei Ebbe oder Flut, bei Sonnenschein, Sturm oder Seegewitter, das beängstigend werden konnte.

Wir hatten die verantwortungsvolle und mitunter abenteuerliche Aufgabe, die großteils reitunkundigen Sommergäste erst sicher auf’s Pferd, dann unfallfrei durch die Dünen, am Strand entlang, nach Möglichkeit im Galopp durch knöchelhohe Wellen, und schließlich wieder vom Pferd zu bringen.

Aber alles ging gut, keiner ist übel gestürzt, alle haben überlebt !

Zwei verwegene Reiterinnen wie meine Freundin und ich - das brachte Respekt von den Gästen und sogar von den sonst eher rauhbeinigen, skeptischen Insulanern.

Das war mein unvergesslicher Inselsommer !

Später, in Niederösterreich, durfte ich etliche Jahre die Haflinger Amor und Lena und die Oldenburger Stute Bella, die Pferde einer Freundin, reiten und betreuen.

Auch das ist leider nur noch Erinnerung.

Hier in Wien hat sich nun der Kreis geschlossen.

Inzwischen bin ich nur noch passives Mitglied der „Jungen Reiter Elite“, halte mich aber, soweit es meine Zeit zulässt, mit Vorliebe im Stall auf und erfreue mich an den Erfolgen unseres begabten Nachwuchses.

Dass ein Geschöpf geschaffen worden ist wie das Pferd, so schön, so edel, und dass es den Menschen gelungen ist, dieses Tier zum Kameraden zu gewinnen, ist ein Grund, der Schöpfung dankbar zu sein.

Ich glaube, Hafis, ein persischer Dichter des 14. Jahrhunderts, war es, der gesagt hat, dass das höchste Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde liegt.

Ich finde, der Mann hat Recht gehabt.

 

Regine Heithecker

(Schriftführerin Verein JRE)

 

Reitschule Sabine Steinbach

 

 

reitschule.steinbach@gmail.com

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